Neuseeland – die Südinsel im Herbst

[:de]Nach unseren Abenteuern in Australien meinten wir, dass es doch praktisch wäre, auch gleich noch Neuseeland zu besuchen – wir sind ja eh schon am anderen Ende der Welt. Anfang April kommen wir in Christchurch an, es regnet und es ist kalt. Wir haben uns erstmal wieder über AirBnB eine Unterkunft gesichert. Allerdings war es dort drinnen genauso kalt wie draußen. Die Häuser sind ähnlich wie in Australien nicht für kaltes Wetter gebaut. Komisch eigentlich, denn die Südinsel wird im Winter schon ziemlich kalt. Im Gespräch mit einem britischen Apotheker erfahren wir, dass das Teil der neuseeländischen Kultur ist: „Ja, die Häuser hier sind alle so kalt gebaut. Die Neuseeländer lieben frische Luft. Selbst im Winter ist ständig ein Fenster offen und wenn man mit seiner dicken Jacke in ein Haus kommt, braucht man die eigentlich gar nicht ausziehen.“

Mitten im ehemals provisorischen Container-Stadtzentrum von Christchurch. Aufgebaut nach dem Erdbeben als Übergang, inzwischen super beliebt.

Aller Anfang ist … eine ToDo-Liste

Unsere erste Mission ist also, warme Klamotten zu besorgen. Da Neuseeland das Land der Merinowolle ist, glauben wir, dass hier eigentlich jeder Wollpullover aus Merinowolle tragen muss und dass eben auch ein paar davon im Second-Hand-Laden landen. Wie erwartet, werden wir auf unserem Second-Hand-Streifzug durch Christchurch auch fündig und haben nun eine warme Schicht mehr an. Warme und wasserdichte Schuhe kaufen wir dann aber doch direkt von einem Outdoorladen.

Die zweite Aufgabe ist für uns ein Bankkonto aufzumachen. Dafür müssen wir uns von unserem Gastgeber schriftlich bestätigen lassen, dass wir bei ihm wohnen. Keine Ahnung, zu welchem Sicherheitszweck das eingeführt wurde. Das ist aber an einem Nachmittag auch erledigt.

In der Zwischenzeit schauen wir im Internet nach einem fahrbaren Untersatz, in dem wir für das nächste Jahr wohnen können. Es ist Herbst. Die meisten kommen nur über den Sommer nach Neuseeland und müssen jetzt schnell ihr Wohnmobil los werden, bevor sie nach Hause fliegen. Dieses Überangebot stellt sich schnell als Vorteil für uns heraus, da wir eine große Auswahl haben und gut über den Preis verhandeln können. Tatsächlich finden wir in der ersten Woche schon einen Van. Fast hätte der Kauf nicht geklappt, weil wir uns erst nicht auf einen Preis einigen können. Letztlich laden wir die Verkäufer noch auf einen Kaffee ein und alle sind froh, dass der Verkauf geklappt hat.

Aussicht auf den Hafen von Christchurch. Die erste Testfahrt um den Meerarm meistert unser neuer Van ohne Probleme.

Jetzt kann es also los gehen, oder?

Fast. Die Küchenutensilien, die wir austauschen wollen, sind schnell besorgt. Schwieriger stellt sich da eine Versicherung für unseren Van haraus. Zunächst wird man als Nicht-Neuseeländer nur von wenigen Versicherungen versichert. Das ganze wird nochmal eingeschränkt, wenn das Fahrzeug umgebaut ist. Wenn man dann noch in dem Auto wohnt, also länger als 2 Wochen verbringen will, hat man eigentlich gar keine Auswahl mehr. Das einzige Angebot, was wir finden, ist eine Teilkasko für 260$ für 12 Monate: nur die Schäden an fremden Eigentum werden abgedeckt – eigener Schaden nicht. Ach ja, und nach einem Jahr in Neuseeland muss man einen neuseeländischen Führerschein haben. Ein internationaler gilt dann nicht mehr.

Diese frustrierende Bürokratie hält uns ein bisschen auf. Wir wollen los. Lange werden die Temperaturen nicht mehr erträglich sein, sodass wir noch im Auto schlafen können. „Winter is coming“ 😉

Wieder Tourist zu sein …

Wie alle Touristen in Neuseeland freuen wir uns auf Mount Cook. DAS Wahrzeichen von Neuseeland neben dem Milford Sound. Der Weg dahin ist alles andere als die Geschichten über Neuseeland glauben machen wollen. Die Region um Christchurch (Canterbury) ist eher trocken und Neuseeland hat eine lange Geschichte von Waldrodungen hinter sich, um mehr Weideland zu gewinnen. Die triste Landschaft ist geprägt von traurigen nackten Bergen mit trockenbraunen Weideflächen. Ab und zu durchbrechen riesige Hecken das karge Bild. Sie halten den Wind ganz gut auf, was wir in unserem Van durchaus zu schätzen wissen.

Mount Cook ist Teil der südlichen Alpen, die irgendwie plötzlich vor einem auftauchen, wenn man nach Westen fährt. Wir übernachten am Lake Pukaki bevor wir die Sackgasse zum Berg hinter fahren. Kein Wunder, dass es so viele Bilder von dieser Aussicht gibt. Sie ist einfach beeindruckend. Nicht nur bei Tag sondern auch bei Nacht. Die Sterne scheinen zum Greifen nah und wir sehen sogar Polarlichter!

Sterne gucken macht am meisten Spaß ohne Zivilisation!

Für mich ist es jedenfalls kein Wunder, dass die Maori, die Ureinwohner Neuseelands, etwas magisches mit dem Berg verbinden, den sie Aoraki nennen. In ihrer Entstehungsgeschichte stammen sie sogar von Aoraki ab. Auch heute noch wird für bestimmte Zeremonien Wasser aus dem Gletscherfluss gesammelt.

Schon malerisch, die südlichen Alpen.

Je weiter südlich wir kommen, desto näher kommt die Landschaft der Beschreibung, die man aus Touristenführern kennt. Entlang des Waitaki River fahren wir durch eine in Herbstfarben getauchte malerische Hügellandschaft zurück an die Ostküste, um Dunedin zu besuchen (sprich: Dunieden)

Universitätsstadt Dunedin

Dunedin wurde von Schotten gegründet, mit der Intention ein zweites Edinburgh zu erschaffen. Schwerpunkt wurde von Anfang an auf eine gute Bildung gelegt. Die Otago Universität ist für eine Generationenstudie bekannt, die schon über 40 Jahre läuft und zu der schon über 1000 wissenschaftliche Arbeiten heraus gebracht wurden. Oft überliest man in Zeitschriften den Nebensatz: „Eine neuseeländische Studie hat ergeben …“ damit ist die „Dunedin Study“ gemeint.

Der Bahnhof von Dunedin erinnert sehr an Schottland!

Fokus liegt bei vielen Auswertungen darauf, welche Einflüsse oder Verhalten in der Kindheit Auswirkungen im Erwachsenenalter haben. Ich schon gespannt, was die Studie über den Zusammenhang von flouridhaltigem Leitungswasser und Intelligenz sagt.

Abgesehen von alten Bankgebäuden, die wie Tempel aussehen, wird das Stadtbild von Dunedin vor allem durch seine steilen Straßen bestimmt. Manche Hausecken wurden sogar mit „Street Art“ verziert. Das wurde aber von der Stadt organisiert und ist dadurch nicht halb so aufregend, wie die Street Art von Melbourne, die am nächsten Tag schon wieder übermalt sein könnte.

Wir fühlen uns tatsächlich nach Edinburgh versetzt.

Wir bleiben ein paar Tage in Dunedin. Verbringen immer ein paar Stunden in der Bibliothek, um etwas am Computer oder Internet zu erledigen und erkunden die Stadt in der restlichen Zeit. Dabei ergattern wir zu unserem Glück noch eine günstige warme Daunendecke. Irgendwie fühlen wir uns wohl in so einer Studentenstadt, auch wenn es kalt und windig ist.

Kalter, regnerischer Süden

Nach Dunedin kommt erstmal eine Weile nichts. Zumindest keine größere Stadt. Unser Weg führt uns weiter in den Süden zum Gebirgszug der Catlins. Bis jetzt haben wir wirklich Glück mit dem Wetter. Der Regentag, der schon seit einer Woche kommen soll, ist aus dem Wetterbericht verschwunden. Am Ende einer Schotterstraße hinter sieben Bergen finden wir zwar keine Zwerge, dafür aber einen gemütlichen Wanderweg entlang des Catlin Rivers unter alten Bäumen neben einer gerade abgeholzten Kieferplantage. Gefühle sind mal wieder gemischt darüber.

Da uns die Landschaft doch sehr an den Schwarzwald erinnert, fahren wir nach unserer Wanderung weiter zur Küste. Und wir haben Glück. An einem Abend sehen wir Gelbaugen Pinguine an Land kommen und am nächsten Tag können wir einem Seelöwen am Strand Hallo sagen, der sich kurz nochmal kratzen muss, bevor er sich hin legt, mit Sand bewirft und schläft. Uns erinnert das irgendwie an das Verhalten von Katzen.

Ein Seelöwe schnappt noch ein paar Sonnenstrahlen auf der Brust bevor es ans dösen geht.

Im Sommer hätten wir die Küste noch weiter erkundet, um mit Delphinen im Wasser zu spielen, doch dafür ist uns schon außerhalb vom Wasser zu kalt. Der Regen hat uns doch eingeholt und so fahren wir direkt nach Invercargill und nehmen noch ein paar Anhalter mit bevor sie völlig durchnässt sind. Sie waren auch über die Sommermonate hier und haben Neuseeland fast komplett von Nord nach Süd durchwandert. Sie mussten dann aber wegen dem schlechten Wetter abbrechen. Anscheinend bleibt davon viel in den Bergen der Westküste hängen und kommt gar nicht bis an die Ostküste.

Uns interessiert das Wetter an diesem Tag aber nicht, wir gehen in ein Schwimmbad mit Sauna, wärmen uns mal wieder richtig auf und eine warme Dusche ist nach ein paar Tagen auch mal wieder schön 🙂

Deutsche trifft man überall

Am gleichen Tag machen wir noch mehr Kilometer in Richtung Fiordland National Park. Am Lake Monowai dürfen wir wieder kostenlos mit unserem Van übernachten. Bevor die Sonne untergeht, wandern wir noch zum Ausguck und sehen die ersten schneebedeckten Berge. Außerdem machen wir uns mit unseren deutschen Nachbarn bekannt. Wir legen unser Feuerholz zusammen und verbringen so noch ein paar Stunden am Lagerfeuer. Ich habe den Eindruck, dass wir alle nur hier sind, weil Neuseeland so weit weg ist und wir gehört haben, dass es beeindruckend ist. Trotzdem scheinen wir alle auch etwas ernüchtert zu sein. Keiner sprüht vor Freude über seine Erlebnisse hier. Wir sind eher von den Geschichten beeindruckt, die Matthias aus Cottbus über seine Reise in Afrika erzählt und dass auch diese Reise relativ einfach auf eigene Faust zu unternehmen geht. Irgendwann reicht auch die Wärme vom Lagerfeuer nicht mehr aus und wir verkriechen uns alle doch lieber unter unseren warmen Decken im Bett.

Blick auf den See Monowai.

Mehrtagestouren fallen erstmal aus

Vielleicht konntest du dir schon denken, dass wir keine Mehrtagestouren mehr machen können. Es ist, wie gesagt, zu kalt und das Wetter auch etwas unberechenbar mit Tendenz zu Regen oder sogar Schnee in den höheren Lagen. Uns bleibt also nur Teile der „Great Walks“ zu laufen und am Abend zu unserem mobilen zu Hause zurückzukehren.

In Te Anau laufen wir den Anfang vom Kepler Track. Eine gemütliche Wanderung in einheimischem Beech-Wald und Feuchtgebiet, das nach der letzten Eiszeit vor 11.000 Jahren entstanden ist. Das Wasser läuft sogar über die Wege, schlammig ist es aber deswegen nicht. Auch Farne und Moose fühlen sich in dem feuchten Klima wohl. Durch das Naturschutzgebiet in der Fjordregion haben die einheimischen Pflanzen tatsächlich eine Chance.

Queenstown: Sölden des Südens?

Als wir nach Queenstown kommen, ist vom Beech-Wald nichts mehr übrig. Entweder sind die Berge wieder komplett abgeholzt oder Tannen wachsen überall. Bei unserem Ausflug auf den Queenstown Hill erfahren wir, dass die Pflanzung von Tannen zwar mal gut gemeint war, um Holz für den Hausbau zu haben, aber dass sie nun alles andere überwuchern, weil sie viel schneller wachsen als einheimische Bäume und Sträucher. Queenstown sieht deshalb eher aus wie ein typischer Alpenskiort mit der Gondel, die zum Skigebiet hoch fährt und dem Tannenwald, der die steilen Berghänge bedeckt. Wanderer werden sogar ermuntert kleine Tannen auszureißen, da kommen Erinnerungnen hoch vom Unkrautziehen in Australien und ja, ich kann es nicht lassen 😉

Maria hilft der lokalen Fauna durch staatlich gefördertes Ausreißen von eingeschleppter Natur - Tannenbäumchen. Im Hintergrund Queenstown.

Heute sind wir aufgewacht und haben unseren Atem gesehen. Eigentlich wollten wir nicht mehr im Auto schlafen, wenn das eintritt, aber unter unserer Daunendecke, in Kombination mit unserer Wolldecke ist es doch angenehm warm. Micha macht erstmal einen Tee und dann sehen wir weiter.

Maria, es sieht aus als wär dir kalt. Auf dem Weg nach Dunedin sind es morgens schon mal nur 5 Grad.

[:en]Nach unseren Abenteuern in Australien meinten wir, dass es doch praktisch wäre, auch gleich mal Neuseeland zu besuchen – wir sind ja eh schon fast am anderen Ende der Welt. Anfang April kommen wir in Christchurch an, es regnet und es ist kalt. Wir haben uns erstmal wieder über AirBnB eine Unterkunft gesichert. Allerdings war es dort drinnen erstmal genauso kalt wie draußen. Die Häuser sind ähnlich wie in Australien nicht für kaltes Wetter gebaut. Komisch eigentlich, denn die Südinsel wird im Winter schon ziemlich kalt. Im Gespräch mit einem britischen Apotheker erfahren wir, dass das Teil der neuseeländischen Kultur ist: „Ja, die Häuser hier sind alle so kalt gebaut. Die Neuseeländer lieben frische Luft. Selbst im Winter ist ständig ein Fenster offen und wenn man mit seiner dicken Jacke in ein Haus kommt, braucht man sie eigentlich gar nicht ausziehen.“

Aller Anfang ist … eine ToDo-Liste

Unsere erste Mission ist also, warme Klamotten zu besorgen. Da Neuseeland das Land der Merinowolle ist, glauben wir, dass hier eigentlich jeder Wollpullover aus Merinowolle tragen muss und dass eben auch ein paar davon im Second-Hand-Laden landen. Wie erwartet, werden wir auf unserem Second-Hand-Streifzug durch Christchurch auch fündig und haben nun eine warme Schicht mehr an. Warme und wasserdichte Schuhe kaufen wir dann aber doch direkt von einem Outdoorladen.

Die zweite Aufgabe ist für uns ein Bankkonto aufzumachen. Dafür müssen wir uns von unserem Gastgeber schriftlich bestätigen lassen, dass wir bei ihm wohnen. Keine Ahnung, zu welchem Sicherheitszweck das eingeführt wurde. Das ist aber an einem Nachmittag auch erledigt.

In der Zwischenzeit schauen wir im Internet nach einem fahrbaren Untersatz, in dem wir für das nächste Jahr wohnen können. Es ist Herbst. Die meisten kommen nur über den Sommer nach Neuseeland und müssen jetzt schnell ihr Wohnmobil los werden, bevor sie nach Hause fliegen. Dieses Überangebot stellt sich schnell als Vorteil für uns heraus, da wir eine große Auswahl haben und gut über den Preis verhandeln können. Tatsächlich finden wir in der ersten Woche schon einen Van. Fast hätte der Kauf nicht geklappt, weil wir uns erst nicht auf einen Preis einigen können. Letztlich laden wir die Verkäufer noch auf einen Kaffee ein und alle sind froh, dass der Verkauf geklappt hat.

Jetzt kann es also los gehen, oder?

Fast. Die Küchenutensilien, die wir austauschen wollen, sind schnell besorgt. Schwieriger stellt sich da eine Versicherung für unseren Van haraus. Zunächst wird man als Nicht-Neuseeländer nur von wenigen Versicherungen versichert. Das ganze wird nochmal eingeschränkt, wenn das Fahrzeug umgebaut ist und wenn man dann noch in dem Auto wohnen will, also länger als 2 Wochen verbringen will, hat man eigentlich gar keine Auswahl mehr. Das einzige Angebot, was wir finden, ist eine Teilkasko für 260$ für 12 Monate: nur die Schäden an fremden Eigentum werden abgedeckt – eigener Schaden nicht. Ach ja, und nach einem Jahr in Neuseeland muss man einen neuseeländischen Führerschein haben. Ein internationaler gilt dann nicht mehr.

Diese frustrierende Bürokratie hält uns ein bisschen auf. Wir wollen los. Lange werden die Temperaturen nicht mehr erträglich sein, sodass wir noch im Auto schlafen können. „Winter is coming“ 😉

Wieder Tourist zu sein …

Wie alle Touristen in Neuseeland freuen wir uns auf Mount Cook. DAS Wahrzeichen von Neuseeland neben dem Milford Sound. Der Weg dahin ist alles andere als die Geschichten über Neuseeland glauben machen. Die Region um Christchurch (Canterbury) ist eher trocken und Neuseeland hat eine lange Geschichte von Waldrodung hinter sich, um mehr Weideland zu gewinnen. Die triste Landschaft ist geprägt von traurigen nackten Bergen mit trockenbraunen Weideflächen. Ab und zu durchbrechen riesige Hecken das karge Bild. Sie halten den Wind ganz gut auf, was wir in unserem Van durchaus zu schätzen wissen.

Mount Cook ist Teil der südlichen Alpen, die irgendwie plötzlich vor einem auftauchen, wenn man nach Westen fährt. Wir übernachten am Lake Pukaki bevor wir zum Berg hinter fahren. Kein Wunder, dass es so viele Bilder von dieser Aussicht gibt. Sie ist einfach beeindruckend. Nicht nur bei Tag sondern auch bei Nacht. Die Sterne scheinen zum Greifen nah und wir sehen sogar Polarlichter! 

Für mich ist es jedenfalls kein Wunder, dass die Maori, die Ureinwohner Neuseelands, etwas magisches mit dem Berg verbinden, den sie Aoraki nennen. In ihrer Entstehungsgeschichte stammen sie sogar von Aoraki ab. Auch heute noch wird für bestimmte Zeremonien Wasser aus dem Gletscherfluss gesammelt.

Je weiter südlich wir kommen, desto näher kommt die Landschaft der Beschreibung, die man aus Touristenführern kennt. Entlang des Waitaki River fahren wir in Herbstfarben getauchte malerische Hügellandschaft zurück an die Ostküste, um Dunedin zu besuchen (sprich: Dunieden) 

Universitätsstadt Dunedin

Dunedin wurde von Schotten gegründet, mit der Intention ein zweites Edinburgh zu erschaffen. Schwerpunkt wurde von Anfang an auf eine gute Bildung gelegt. Die Otago Universität hat eine Generationenstudie schon über 40 Jahre laufen, die schon über 1000 wissenschaftliche Arbeiten heraus gebracht hat und weltweit bekannt ist. Oft überliest man in der Zeitschrift den Nebensatz: „Eine neuseeländische Studie hat ergeben …“ damit ist die „Dunedin Study“ gemeint. 

Fokus liegt bei vielen Auswertungen darauf, welche Einflüsse oder Verhalten in der Kindheit Auswirkungen im Erwachsenenalter haben. Ich werde mir demnächst mal die Studie über den Zusammenhang von flouridhaltigem Leitungswasser und Intelligenz durchlesen.

Abgesehen von alten Bankgebäuden, die wie Tempel aussehen, wird das Stadtbild von Dunedin vor allem durch seine steilen Straßen bestimmt. Manche Hausecken wurden sogar mit „Street art“ verziert. Das wurde aber von der Stadt organisiert und ist dadurch nicht halb so aufregend, wie die Street art in Melbourne, die am nächsten Tag schon wieder übermalt sein könnte.

Wir bleiben ein paar Tage in Dunedin. Verbringen immer ein paar Stunden in der Bibliothek, um etwas am Computer oder Internet zu erledigen und erkunden die Stadt in der restlichen Zeit. Dabei ergattern wir zu unserem Glück noch eine günstige warme Daunendecke. Irgendwie fühlen wir uns wohl in so einer Studentenstadt, auch wenn es kalt und windig ist.

Kalter, regnerischer Süden

Nach Dunedin kommt erstmal eine Weile nichts. Zumindest keine größere Stadt. Unser Weg führt uns weiter in den Süden zum Gebirgszug der Catlins. Bis jetzt haben wir wirklich Glück mit dem Wetter. Der Regentag, der schon seit einer Woche kommen soll, ist aus dem Wetterbericht verschwunden. Am Ende einer Schotterstraße hinter sieben Bergen finden wir zwar keine Zwerge, dafür aber einen gemütlichen Wanderweg entlang des Catlin Rivers unter alten Bäumen neben einer gerade abgeholzten Kieferplantage. Gefühle sind mal wieder gemischt darüber.

Da uns die Landschaft doch sehr an den Schwarzwald erinnert, fahren wir nach unserer Wanderung weiter zur Küste. Und wir haben Glück. An einem Abend sehen wir Gelbaugen Pinguine an Land kommen und am nächsten Tag können wir einem Seelöwen am Strand Hallo sagen, der sich kurz nochmal kratzen muss, bevor er sich hin legt, mit Sand bewirft und schläft. Uns erinnert das irgendwie an das Verhalten von Katzen. 

Im Sommer hätten wir die Küste noch weiter erkundet, um mit Delphinen im Wasser zu spielen, doch dafür ist uns schon außerhalb vom Wasser zu kalt. Der Regen hat uns doch eingeholt und so fahren wir direkt nach Invercargill und nehmen noch ein paar Anhalter mit bevor sie völlig durchnässt sind. Sie waren auch über die Sommermonate hier und haben Neuseeland fast komplett von Nord nach Süd durchwandert. Sie mussten dann aber wegen dem schlechten Wetter abbrechen. Anscheinend bleibt davon viel in den Bergen der Westküste hängen und kommt gar nicht bis an die Ostküste.

Uns interessiert das Wetter an diesem Tag aber nicht, wir gehen in ein Schwimmbad mit Sauna, wärmen uns mal wieder richtig auf und eine warme Dusche ist nach ein paar Tagen auch mal wieder schön 🙂

Deutsche trifft man überall

Am gleichen Tag machen wir noch mehr Kilometer in Richtung Fiordland National Park. Am Lake Monowai dürfen wir wieder kostenlos mit unserem Van übernachten. Bevor die Sonne untergeht, wandern wir noch zum Ausguck und sehen die ersten schneebedeckten Berge. Außerdem machen wir uns mit unseren deutschen Nachbarn bekannt. Wir legen unser Feuerholz zusammen und verbringen so noch ein paar Stunden am Lagerfeuer. Ich habe den Eindruck, dass wir alle nur hier sind, weil Neuseeland so weit weg ist und wir gehört haben, dass es beeindruckend ist. Trotzdem scheinen wir alle auch etwas ernüchtert zu sein. Keiner sprüht vor Freude über seine Erlebnisse hier. Wir sind eher von den Geschichten beeindruckt, die Matthias aus Cottbus über seine Reise in Afrika erzählt und dass auch diese Reise relativ einfach auf eigene Faust zu unternehmen geht. Irgendwann reicht auch die Wärme vom Lagerfeuer nicht mehr aus und wir verkriechen uns alle doch lieber unter unseren warmen Decken im Bett.

Mehrtagestouren fallen erstmal aus

Vielleicht konntest du dir schon denken, dass wir keine Mehrtagestouren mehr machen können. Es ist, wie gesagt, zu kalt und das Wetter auch etwas unberechenbar mit Tendenz zu Regen oder sogar Schnee in den höheren Lagen. Uns bleibt also nur Teile der „Great Walks“ zu laufen und am Abend zu unserem mobilen zu Hause zurückzukehren. 

In Te Anau laufen wir den Anfang vom Kepler Track. Eine gemütliche Wanderung in einheimischem Beech-Wald und Feuchtgebiet, das nach der letzten Eiszeit vor 11.000 Jahren entstanden ist. Das Wasser läuft sogar über die Wege, schlammig ist es aber deswegen nicht. Auch Farne und Moose fühlen sich in dem feuchten Klima wohl. Durch das Naturschutzgebiet in der Fiordregion haben die einheimischen Pflanzen tatsächlich eine Chance. 

Queenstown: Sölden des Südens?

Als wir nach Queenstown kommen, ist vom Beech-Wald nichts mehr übrig. Entweder sind die Berge wieder komplett abgeholzt oder Tannen wachsen überall. Bei unserem Ausflug auf den Queenstown Hill erfahren wir, dass die Pflanzung von Tannen zwar mal gut gemeint war, um Holz für den Hausbau zu haben, aber dass sie nun alles andere überwuchern, weil sie viel schneller wachsen als einheimische Bäume und Sträucher. Queenstown sieht deshalb eher aus wie ein typischer Alpenskiort mit der Gondel, die zum Skigebiet hoch fährt und dem Tannenwald, der die steilen Berghänge bedeckt. Wanderer werden sogar ermuntert kleine Tannen auszureißen, da kommen Erinnerungnen hoch vom Unkrautziehen in Australien und ja, ich kann es nicht lassen 😉

Heute sind wir aufgewacht und haben unseren Atem gesehen. Eigentlich wollten wir nicht mehr im Auto schlafen, wenn das eintritt, aber unter unserer Daunendecke, in Kombination mit unserer Wolldecke ist es doch angenehm warm. Micha macht erstmal einen Tee und dann sehen wir weiter.[:]

2 Kommentare

  1. Liebe Grüße von der Lehde, die sich langsam wieder auffüllt. Zu Ostern war es a…kalt; kein Wunder, dass sich da manche in wärmere Gefielde verzogen haben. Auch die Eisheiligen haben wir überstanden mit Schneeregen und Nachtfrost, also werdet Ihr auch über die Kälte weg kommen mit Eurer Ausrüstung oder andere, wärmere Orte finden. Wünsche Euch viele weitere schöne Erlebnisse; bleibt weiter so unternehmungslustig, denn es ist herzerfrischend, davon zu lesen.

  2. Ihr seid schon echt zu bewundern. Aber nach Herbst und Winter kommen wieder Frühling und Sommer. Wir in Germany warten nun auch schon sehr sehnsüchtig auf die warmen Tage. Es fühlt sich schon recht gut an in der wärmenden Sonne. Die Menschen strömen in die Leipziger Parks. Viel Spaß auf der neuen Etappe eurer Auswanderungstour.

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