Herrschaftszeiten! Zu Besuch in Pyin U Lwin

Mit Freude tauschen wir die stickige Hitze der Stadt gegen Berge und eine kühle Brise in Pyin U Lwin ein. Keiner hat gesagt, dass es SO kalt wird!

Pyin U Lwin ist eine kleine Stadt am Rand der Berge östlich von Mandalay. Die Briten haben vor dem zweiten Weltkrieg diese Stadt als Sommersitz benutzt und genau nach etwas Sommerfrische ist uns jetzt.

Stilecht verbringen wir ein paar Tage in einem Hotel aus Kolonialzeiten. Damals hat bestimmt jeder ein Feuer im eigenen Kamin gehabt, heute muss der Heizstrahler das Zimmer mit den viel zu hohen Decken aufheizen. Wenn die Sonne nicht scheint, ist es nicht wie ein kühler Sommertag, sonder wie Winter – schließlich ist ja auch Februar, da kann es ruhig Winter sein.

Bewegung scheint bei den Umständen eine gute Idee zu sein und so schnappen wir uns die Single-speed-bikes (quietschende Fahrräder ohne Gangschaltung – die sind jetzt IN!) vom Hotel und erkunden die Gegend.

Wir sind zwar in den Bergen, es ist aber flach genug für ein Fahrrad ohne Gänge

Wir trauen unseren Augen nicht, als uns auf der viel befahrenen Straße eine Pferdekutsche von anno dazumal überholt. Das Stadtzentrum ist voll von diesen alten Pferdekutschen, die manchmal besser in Schuss sind als die Pferde, die davor stehen.

Viel zu sehen, gibt es hier ansonsten nicht. Der botanische Garten in Pyin U Lwin wurde auch von den Briten angelegt, und entführt uns gefühlt seit einer Ewigkeit mal wieder in die grünende und blühende Natur. Es ist gerade Trockenzeit in Myanmar und ohne übermäßige Bewässerung ist meistens einfach nur karge trockene Landschaft zu sehen. Im botanischen Garten finden wir sogar einen kleinen Vogelpark und ein Schmetterlingsmuseum. Das ist genug, um uns für einen Tag zu beschäftigen.

Ohne Bewässerung kein englischer Rasen.

Den zweiten Tag verbringen wir mit Lesen und viel Tee in der Hängematte im Halbschatten. Ein Sonnenbrand lässt sich hier fast nicht verhindern, weil wir jeden wärmenden Sonnenstrahl jagen, den wir kriegen können. Statt Heizung, freuen wir uns über den Filmabend vom Hotel. Passend zur Umgebungstemperatur spielt der Film auch noch auf dem kalten Mars. Kostenloser heißer Tee mit Popcorn machen den Abend dann perfekt.

Ein weiterer Grund, warum wir hier her nach Pyin U Lwin gekommen sind, ist die Zuganbindung, die uns weiter hinauf in die Berge nach Hsipaw bringt. Wir haben gelesen, dass die Aussicht auf der Fahrt beeindruckend sein soll und wenn das der Reiseführer sagt, muss es ja stimmen. Wir kaufen uns also unsere Zugtickets einen Tag vor der Abreise, damit wir auf der „besseren“ linken Seite sitzen können.

Zugfahren in Asien ist immer ein Abenteuer. Wir wissen nie, auf was wir uns einlassen. In diesem Fall sind wir einen ganzen Tag langsam Achterbahn gefahren. Mit Sprüngen und in die Kurven lehnen, wo eigentlich keine sind – eine sehr wackelige Angelegenheit, da kommt jeder Adrenalinjunky oder Seekranke auf seine Kosten.

Ach ja, die Aussicht. Zugfahren lohnt sich immer, auch wenn die Fahrt nicht so ruhig verläuft. Selten können wir so gut beobachten, wie die normalen Leute außerhalb vom Touristenzentrum wohnen und leben. Wir sehen also viele Bambushütten und noch viel mehr Gemüsefelder. Alle sind kleinteilig und wohl von Hand bearbeitet. Manchmal sehen wir auch, wie jemand mit einem Büffel sein Feld pflügt. Würden wir nicht bei jedem Bahnübergang massenweise Motorräder und ein paar Autos sehen, wäre die Illusion vom beginnenden 20. Jahrhundert perfekt.

Feldarbeit ist hier immernoch Handarbeit

Eine Errungenschaft aus dieser Zeit ist der Goteik Viadukt. Damals war diese enorme Bauleistung die höchste Brücke der Welt. Heute ist er die einzige Strecke der Bahnlinie, die eben verläuft und ein absoluter Touristenmagnet – wir sind ja auch hier. Die Aussicht ist wirklich beeindruckend. Wir fahren über ein unheimlich tiefes Tal und steuern direkt auf die riesigen roten Felsen auf der anderen Seite des Tals zu. Micha: „Oh, da kann man bestimmt gut klettern!“

Anfahrt zum Viadukt

Das ist definitiv der Höhepunkt unserer Bahnfahrt. Danach freuen wir uns, wenn wir mal aus dem Wald rausschauen können und ein bisschen Aussicht haben. Durch das permanente Schaukeln wird die Fahrt dann doch sehr lang und wir sind froh, als wir nach 8 Stunden gemeinsam mit einer ganzen Ziegenherde am Bahnhof in Hsipaw wieder festen Boden unter den Füßen haben. Alles ein bisschen surreal an diesem Tag …

Steigen gerade mehr Menschen oder Ziegen aus dem Zug?

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2 Kommentare

  1. Wieder ein super Reisebericht. Und die vielen schönen Fotos dazu. Bei uns wird nun langsam Frühling. Ich erahne ihn schon. Viele Grüße aus der Heimat.

  2. Ackermann, Beate

    Da freue ich mich aber, daß ich die Bilder von Bali schon ansehen kann!!! Tolle Eindrücke, aber ein Spaziergang im Vulkan…? Also kalt ist es bei uns auch reichlich, nichts mit Frühling. Hätte ich nicht gedacht, daß man Eier im Dampf kochen kann. Vielleicht sollte ich es zu Hause auch mal probieren.
    Beate.

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