[:de]Ein Wintermärchen im Ashram – Teil 2[:]

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Wo sind wir denn hier gelandet?

Hier erzähle ich dir, was wir zwischen Juni und Oktober im Ashram Yoga Retreat Center in Ohui gemacht haben. Ohui hieß die Gegend schon bevor hier ein Haus stand und bedeutet, übersetzt aus dem Maori: „Treffpunkt, Platz der Zusammenkunft“ und das halte ich für eine zufällig sehr passende Beschreibung.

Wenn du wissen willst, wie wir an diesem „Treffpunkt“ gelandet sind, schau mal beim letzten Artikel vorbei.

Retreat übersetzt, bedeutet sowas wie Rückzugsort, Zuflucht oder Ruhesitz. Für die meisten unserer Gäste ist es aber am ehesten eine Wohlfühl-Oase mit Gleichgesinnten. Zum Treffpunkt wird es vor allem, weil man sich durch die vielen Leute mit ähnlichen Interessen an Yoga und der persönlichen wie spirituellen Weiterentwicklung fühlt wie „endlich zu Hause“. Zum Zusammenfinden gibt es fast jedes Wochenende ein Programm aus verschiedenen Yoga-Stilen, Entspannungsübungen, Meditation, Vorträgen, Singen und sehr gutem vegetarischen Essen. Mal mehr und mal weniger liegt dabei der Fokus auf Yoga, Meditation oder Freizeit.

Kitty traut sich mal aus dem Haus, und das bei frostigen Temperaturen. Der Winter schaut auch in Ohui mal für ein paar Tage vorbei.

Aschram oder was?

Ashram Yoga, will eigentlich, wie der Name schon sagt, eher ein Aschram sein als ein Retreat Center.  Unsere Wwoofing Vereinbarung ist deshalb, dass wir Teil von diesem “Aschram“ sind, uns um alles mögliche kümmern und dafür Essen und Unterkunft bekommen. Nebenbei können wir zu fast allen Yogastunden und Kursen für die Wochenendgäste gehen, solange das unser Zeitplan zulässt und es genug Platz gibt. Unter der Woche gibt es dann noch mehr Yogastunden und viele Möglichkeiten an den Strand zu gehen.

Wochenend Yoga Klasse. Draußen regnet es sowieso.

Im indischen Original hat ein Aschram normalerweise einen sehr spirituellen Fokus. Das heißt, es gibt einen Guru aus einer der vielen Yoga-Richtungen und jeder, der im Aschram lebt, will von ihm lernen und gibt dafür sein weltliches Leben auf. In einer milden westlichen Variante war das in Ohui wohl auch mal so. Für uns ist davon aber höchstens noch der Nachhall und die Vorstellung davon in den Köpfen der aktuellen Bewohner vorhanden.

(Nebenbei: Wir hatten nie und werden nie die Absicht haben unser weltliches Leben für irgeneinen Guru aufzugeben. Wir wissen, dass so ein Aschram in einen Kult ausarten kann und sind deshalb vorsichtig.)

Tatsächlich ist Shanti als Guru seit kurzem gesundheitlich (noch mehr) angeschlagen, deswegen kann er nicht und nach unserem Eindruck will er auch nicht mehr ein präsenter Lehrer sein. Dazu kommt, dass die anderen dauerhaften Bewohner bzw. „Schüler“ und Wwoofer erst vor ein paar Wochen ausgezogen sind. Zum Quatschen und als spirituelle Anregung bleibt uns nur unsere Managerin, die gesellschaftsmüde und einsamkeitsuchende Amrit, und die mit Familie und Geschäftsleitung sowieso schon voll beschäftige Atma.

Da kann Amrit noch so sehr davon reden, dass vor einiger Zeit alle „voll dabei waren“. Vom Aschram-Leben im Sinne von spiritueller Weiterentwicklung kommt von der Seite jedenfalls wenig. Übrig bleibt vom Aschram also nur der Ort an sich und das Tages bzw. Wochenend-Geschäft. Für uns ist deshalb bald klar, dass es nicht dasselbe ist, wie in Fremantle. Trotzdem haben wir uns entschieden da zu bleiben. Es gab auch so genug Möglichkeiten zu wachsen und zu lernen – in unseren Aufgaben und Gesprächen mit den Gästen. Sonst wären wir vielleicht schon bald wieder gegangen.

Dazu später mehr.

Eine entspannte Runde mit Chanten (Singen) am Ende des Tages.

Wie sehen unsere Tage im Ashram aus?

In unserer Zeit im Ashram finden meistens nur Wochenend-Retreats statt. Deswegen haben wir oft eine ruhige Woche ohne Leute und ein quirliges Wochenende mit vielen Leuten und viel Programm. Über die Woche haben wir zusätzlich noch drei Yoga-Stunden, arbeiten von 9 bis 4 mit Tee- und Mittagspause und einen Tag haben wir frei. Am Wochenende teilen wir unsere Zeit über den Tag so auf, dass wir uns ums Frühstück und die Vor- und Nachbereitung der Mahlzeiten kümmern können. Zwischendurch räumen wir auf, arbeiten an unseren Projekten oder gehen zu einer der Yogastunden.

Was haben wir als Wwoofer alles so gemacht?

Was macht man denn so als Wwoofer, wenn man nicht gerade auf einer Farm arbeitet? Es waren jedenfalls sehr vielfältige Aufgaben, die hauptsächlich daher kommen, dass der Aschram ein ziemlich großes Gelände mit 3 Häusern, Geräteschuppen und großem Garten ist. Da gibt es immer was zu tun. Solange also keine Gäste zu betreuen sind, haben wir uns um das Unternehmen  Ashram Yoga gekümmert.

Frühjahrsputz im Ashram. Ein Schelm könnte denken, dass sind doch Werbefotos fürs Karma Yoga.

Dazu gehört definitiv die Vorbereitung für Retreats und damit vor allem Saubermachen und Betten in den Zimmern und Wohnwagen vorbereiten. Die Küche muss immer laufen, denn auch Yogis sind Menschen, die mit einem Loch im Bauch Probleme haben. Da müssen wir Aufräumen, Vorräte auffüllen, Frühstück machen und auch mal andere Mahlzeiten zubereiten.

Chili mit gebackenen Kartoffeln, Käse und Salat. Ein Festschmaus.

Die „Shed“ (kleine Scheune) haben wir entrümpelt und das ganze Zeug weggehauen, dass da „erstmal“ abgestellt wurde, weil es ja eventuell noch mal gebraucht werden kann. Als wir gegangen sind, ist der Haufen für das Frühlingsfeuer so groß, dass vermutlich der ganze Kindergarten nicht gereicht hätte, um einen Kreis darum zu bilden (zumindest der vom Dorf).

Kitty hilft beim Holz auffüllen indem sie auf wichtigeres drängt. Kuscheln!

Zum Energie raus lassen, konnten wir jederzeit Holz hacken, die Holzvorräte am Haus auffüllen oder stundenlang neben dem lautstarken Holzspalter sitzen. Als die Sonne endlich wärmer wurde, ging es an die Fassaden, Zelte und Wohnwagen, die hier langsam von Flechten überwuchert werden. Der Hochdruckreiniger ist jedenfalls eine tolle Möglichkeit, die Schultern und andere noch unbekannte Muskelgruppen näher kennenzulernen.

Laszlo fand es gar nicht so cool, dass Micha immer arbeiten musste. Die Monster und Piraten um das Retreat mussten ja ständig dezimiert werden.

Im Garten gibt es natürlich immer was zu tun, vor allem, weil der Winter in Ohui sehr mild ist. Unkraut muss gejätet werden und der Rasen schießt auch in die Höhe, sobald es etwas wärmer wird. Für den Frühling haben wir uns überlegt, was alles in den Garten soll und dann begonnen die Samen auszusähen und Setzlinge zu pflanzen. Vorher habe ich noch die Hochbeete neu gezimmert und Bodenpflege war auch noch dran. Die ausgerissenen Kühe vom benachbarten Bauern haben uns nicht nur im Winter den Rasen kostenlos gemäht, sie haben uns auch noch prima Dünger hinterlassen. Den habe ich mitsamt den Millionen Regenwürmern auf den Kompost geschafft und damit später den Garten aufgefüllt.

Die neuen Tomaten im Hochbeet sehen schon ganz gut aus.

Wwoofen für den Lebenslauf?

Da ja jeder Wwoofing machen kann, ist meistens wenig darüber bekannt, was ein potenzieller Wwoofer alles drauf hat. Deswegen geht man erstmal hin und findet dann zusammen raus, was man neben den unqualifizierten Sachen noch alles machen könnte.

Maria ist zum Beispiel mit der Zeit immer mehr in die Computer-Arbeit reingerutscht. Dabei hat sie sich in vielen Stunden darum gekümmert die Arbeitshefte und Werbematerialien zu gestalten, zu setzen und mit Grafiken auszustatten. Das war definitiv für beide Seiten ein Gewinn. Endlich bringt mal jemand Ordnung in die ganze Misere! Hier kommen und gehen so viele Leute, die immer nur kurz da bleiben und mal mehr und meist weniger Ahnung haben. Wenn dann wie hier niemand ständig drüber wacht, ob alles seinen Platz hat, muss das ja im Chaos enden. So konnte Maria jedenfalls wieder Zeit mit ihren Grafik- und Design-Programmen verbringen und hat damit ihre Freude am Gestalten und Setzen wiederentdeckt. Genauso hat sie sich aber auch darüber gefreut, dass sie immer wieder einfach mal im Garten verschwinden oder (leider zu wenig) beim Kochen helfen konnte.

Maria "arbeitet" sozusagen. Man beachte den Schoßwärmer und die Heizung. Ohne Kamin muss man sich im Nordzimmer schon was einfallen lassen.

Ich konnte dagegen viel draußen sein, mit Holz arbeiten, den Garten bearbeiten, mit dem Geländewagen rumheizen, Feuer machen und noch anderes Zeug wofür ich im Computerbusiness wenig Möglichkeiten habe. Prsaat meinte öfter, wenn sein Sohn Laszlo gefragt hat, was ich schon wieder mache: „Er wird fit!“ Kräftig muss man ja bei so viel körperlicher Arbeit, Yoga und Surfen werden. Zum Glück gab es auch öfter mal regnerische Vormittage. Da bin ich zum Ausruhen an den Computer gegangen und habe mich an bewegten Bildern versucht. Aus einer undurchschaubaren Menge von Bildern und Audioaufnahmen habe ich dann für die kommenden Yoga-Lehrer-Ausbildungen kurze Werbefilmchen produziert. Mal wieder was am Computer machen, so mit Gehirn und allem, hat auch schon was. Den Bedarf dafür habe ich bei mir schon länger erkannt und übe mich wieder im Programmieren in eigenen Projekten, seit dem wir im Aschram sind. Mit einem festen Dach über dem Kopf kann ich die ruhigen und kühlen Morgenstunden vor dem Sonnenaufgang auch mal nutzen, um ein paar 0en und 1en hin- und herzuschieben.

Jaaa, Feuer machen!

Unser Aufenthalt bei Ashram Yoga war also eine gute Möglichkeit so ein Retreat von innen kennenzulernen und uns in allen möglichen Bereichen auszuprobieren. Nebenbei war das aber auch eine Gelegenheit zu sehen, was wir können, was andere nicht können. Sehr interessant war es auch zu beobachten, welche Einstellung wir und welche andere Leute zum Arbeiten haben. Ein paar Einsichten dazu und was uns die Entscheidung länger zu bleiben manchmal schwer gemacht hat bzw. was wir sonst noch gelernt haben, gibt es im nächsten Artikel zu lesen.

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2 Kommentare

  1. Auf dem Weg zu Euch wieder eine Erfahrung mehr. Lese sehr gerne, was da berichtet wird. Freue mich auf neue Berichte und wünsche Gesundheit für Euch beide. Bei mir leuchtet seit gestern der Herrnhuter Stern. Liebe Grüße um den Erdball von Isolde

  2. Ich wünsche euch wieder alles Gute. Sieht zumindest alles sehr naturell bei euch aus, während wir uns hier auf den Weihnachtskonsum vorbereiten. Viel Spaß euch Beiden.

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